“Occupy Management” als Lehrbuch?

Kostera, M. (2014): Occupy Management! Inspirations and Ideas for Self-Organization and Self-Management. Oxford: Routledge.

Ein klassisches Lehrbuch, das sich von vorne nach hinten durcharbeiten lässt und überblicksartig den Stand der Forschung darstellt, ist das von Kostera vorgelegte Buch “Occupy Management! Inspirations and Ideas for Self-Organization and Self-Management“ sicher nicht. Viel mehr collagiert die Autorin vergangene und aktuelle Entwicklungen der Organisationsforschung mit Beispielen aus Aktivismus, Kunst und Literatur. Diese verwebt sie mit einer fast poetisch anmutenden Sprache zu einem Text, der leichtfüßig und inspiriert formuliert, wie Management im Sinne einer anderen, „besseren“ Welt umgemünzt werden kann. Kostera strukturiert ihr Argument nach Fayols klassischen Managementfunktionen Planning, Organizing, Motivating und Controlling, zeigt aber, wie diese auch ganz anders verstanden, illustriert und eingesetzt werden können als derzeit im Gros der Managementlehre propagiert. Kostera schreibt persönlich und engagiert – ein Duktus der mancher/m Forschenden und Lernenden zu unwissenschaftlich scheinen mag. Diese Irritation kann aber eine produktive sein und dazu anregen, eigene Annahmen über Management und das Schreiben über Management zu hinterfragen.

“Voice of the workers” in WES

The journal Work, Employment & Society offers free access to a series of articles about current realities of work online. It is a great resource to introduce young students who might not have considerable work experience themselves to topics surrounding different worlds of work, e.g. factory work, customer service work, care work or knowledge work. The articles are accessible here.

Film Festival “Corporate Bodies” in Den Haag, 11-13th February

Showing films during class makes organizational life more tangible. Films give us catchy images, situations and dialogues to illustrate organizational theory and management and open up space for critical discussion. Furthermore, films can also be analyzed as cultural artifacts that tell us about current societal understandings of organizations. This makes them a valuable resource for teaching that moves beyond cognitive learning. Good films make us feel something about the characters we watch. We suffer with them, we laugh with or about them, we are disgusted by them and so forth. In an educational context, this capacity of films can enable an affective and emotional learning and thus create a more holistic learning experience.

Some fresh inspiration for using films in teaching can be found here: The film festival “Corporate Bodies: Where Film Meets Organization”, taking place on 11-13th February in Den Haag, aims to shed new light on the relation between organization and film. It offers not only an extensive film programme, but also various interesting speakers.

Work and its different realities

A key challenge in teaching about work and organization is to heighten the awareness for different worlds of work and life realities.

In their project “Labour in a Single Shot” Harun Farocki and Antje Ehmann assembled a wide array of short videos on different work practices across the globe. The one to two minutes sequences portray different types of work – paid and unpaid work, knowledge and physical work, prestigious and pecarious work – in different cultural contexts.

Being taken in a single shot, they enable the viewer to observe, contrast, compare, and reflect on different work practices. “Labour in a Single Shot” thus offers a rich source for bringing the diversity in work to the classroom.

The videos can be found here: Labour in a Single Shot

 

Konstruktivistischer Methodenpool von Kersten Reich

Bedeutet kritische Hochschullehre lediglich das Vermitteln von Inhalten, die sich als “kritisch“ verstehen? Oder bedeutet kritische Lehre auch, das eigene Lehrhandeln zu hinterfragen, also seine eigene Rolle sowie die der Studierenden kritisch zu reflektieren? Hochschullehre selbst krankt häufig daran, stark inhalts- und wenig methodengetrieben zu sein – eine Folge der mangelnden didaktischen Ausbildung der Hochschullehrer, aber auch der großen Studierendengruppen, die gängige Kleingruppenmethoden erschweren oder unmöglich machen. Kurzum, die Frage was Lernen an Hochschulen eigentlich ist und welche Rolle den daran Beteiligten zukommt, bleibt im universitären Alltag häufig auf der Strecke.

Mögliche Inspiration für eine kritisch reflektierte Hochschullehre, die auch emanzipatorische Potenziale ausloten möchte, kann eine konstruktivistische Didaktik sein, wie sie Kersten Reich vorschlägt. Folgt man dieser, ist die Aufgabe von Pädagogik nicht, Lerninhalte in die Köpfe der Studierenden zu „kopieren“, sondern diese umfassend an der Gestaltung von Lernprozessen und -umgebungen zu beteiligen. Reich beschreibt drei grundlegende Aneignungsmodi von Welt, die Lernenden zu Verfügung stehen: Konstruktion, Rekonstruktion und Dekonstruktion. Konstruktion bedeutet bei Reich die Ableitung von Hypothesen aus eigenen Beobachtungen und eigenem Erleben. Rekonstruktion bedeutet die Übernahme von Konstruktionen, die andere bereits geleistet haben. Dekonstruktion dahingegen bedeutet, eigene und fremde Konstruktionen aufzubrechen und somit neues Wissen zu schaffen.

An der Hochschule, insbesondere in Vorlesungsformaten mit vielen Studierenden, überwiegt häufig die Rekonstruktion. Aufgabe einer kritischen Hochschullehre kann es daher auch sein, eigenen Konstruktionen der Studierenden sowie gemeinsamen Dekonstruktionen Raum zu geben oder sie bewusst methodisch heraus zu kitzeln. Um dies zu ermöglichen, ist laut Reich nicht nur Methodenkompetenz seitens des oder der Lehrenden, sondern auch eine vielfältiges Methodenangebot in der Lehre nötig. Vorschläge hierfür finden sich auf Reichs Methodenpool: http://methodenpool.uni-koeln.de/uebersicht.html

Literatur:

  • Reich, Kersten (2006, 3. völlig überarbeitete Auflage): Konstruktivistische Didaktik. Weinheim u.a. Beltz. 330 Seiten.
  • Reich, Kersten (2005, 5. Auflage): Systemisch-konstruktivistische Pädagogik. Weinheim u.a. Beltz. 299 Seiten.