Wem gehören die großen Unternehmen?

Wem gehören die großen Unternehmen? Restrukturierung des Eigentums während der Finanzkrise in Deutschland und den USA

Beitrag von Werner Nienhüser, David Peetz, Georgina Murray in WSI-Mitteilungen 8/2016, Seiten 584–594

Zusammenfassung

Das Eigentum an großen Unternehmen konstituiert gesellschaftliche Macht. Der Beitrag stellt deshalb die Frage: Wem gehören die 200 umsatzstärksten in der Realwirtschaft tätigen Unternehmen in Deutschland und in den USA? Hat sich durch die Finanzkrise etwas an den Eigentümerstrukturen verändert, etwa die Konzentration des Eigentums? Unsere Befunde für die Zeiträume 2006/2007 und 2009/2010 zeigen, dass in beiden Ländern Finanzinvestoren wie BlackRock einen erheblichen Anteil an den Aktien großer Nicht-Finanzunternehmen besitzen. BlackRock verwaltet in Deutschland 5 % und in den USA 13 % der Aktien der 200 größten Unternehmen. Nimmt man den zweitgrößten Vermögensverwalter (Capital Group) hinzu, dann kontrollieren diese beiden Unternehmen in Deutschland 11 % und in den USA 23 % der Aktienanteile. In beiden Ländern hat die Konzentration des Aktienbesitzes zugenommen. Der hohe Anteil der Aktien, den das Finanzkapital besitzt, hat sich trotz oder wegen der Krise kaum verändert.

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Soziale Gerechtigkeit in Europa

Der aktuelle Social Justice Index der Bertelsmann Stiftung ist verfügbar. Auf der Hompage resümieren die Autoren:

„Drei Jahre nachdem die Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa ihren Höhepunkt erreichte, haben wieder mehr Menschen Arbeit. Doch die Probleme bleiben groß: 4,6 Millionen Jugendliche sind arbeitslos, viele Europäer können trotz Vollzeitjob nicht von ihrer Arbeit leben und in einigen EU-Staaten sind Teile der Bevölkerung akut von Armut bedroht.”

Hier gibt es den vollständigen Bericht: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2016/november/aufschwung-an-europas-arbeitsmaerkten-kommt-nicht-bei-allen-menschen-an/

Lesenswert!

Roboterjournalismus – Maschinen als Redakteure?

Für Journalisten verändert sich auch der Beruf durch die Digitalisierung. Im Sommer hat der IBM Computer Watson zum ersten Mal ein ganzes Magazin gemacht, Bilder ausgesucht, Texte erstellt. Die Redakteure hatten nichts mehr zu tun. Algorithmen schreiben schon seit längerem selbständig Textbeiträge. Immer häufiger wird eine Software zum Autor. Was passiert also, wenn künftig Roboter statt Menschen texten?

Lesen Sie mehr: https://www.ndr.de/themenwoche/Roboterjournalismus-Maschinen-als-Redakteure,roboterjournalismus104.html

Arbeitsprozesstheorie / Labour Process Theory

Harry Braverman gehört sicher zu den Autoren, welche die kritische Forschung aber auch die Lehre zur Organisation des Arbeitsprozesses in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung entscheidend beeinflusst haben. Innerhalb der BWL-Lehre lassen sich Bravermans Erkenntnisse auf vielfältige Weise nutzen, um z.B. die Rolle des Managements, den Charakter von Arbeit sowie manageriale Kontrolle und den Widerstand der Arbeiter zu adressieren. Lehrende können herbei natürlich die Studierenden Bravermans Buch “Labor and Monopoly Capital” (1974) lesen lassen oder es zusammen mit den Studierenden im Kurs lesen. Jedoch existiert auch eine recht gute Zusammenfassung des Buches, welche auf Youtube verfügbar ist. In zwei Videos (zusammen etwa 20 Minuten) werden nicht nur Bravermans Ideen referiert, sondern es werden auch Bezüge zu Marx’ Kapitalismuskritik oder Taylors Ansatz des Scientific Management hergestellt.

https://www.youtube.com/watch?v=MI9RJE-Nf2U Teil 1

https://www.youtube.com/watch?v=gUZMJOli09w Teil 2

 

Zum Hintergrund der Videos – die Arbeitsprozesstheorie

Ronald Hartz

Ausgangspunkt der sogenannten Arbeitsprozesstheorie (Labor Process Theory, machmal auch Labor Process Debate) ist die 1974 erschienene Monographie „Labor and Monopoly Capital“ von Harry Braverman und der damit verbundene Versuch einer Revitalisierung und Modifizierung Marxscher Überlegungen für eine Analyse von Arbeits- und Produktionsverhältnissen im 20.Jhd. Braverman interessierte sich für die Dynamik kapitalistischer Produktionsverhältnisse, “underlying the incessant transformation of work in the modern era“ (Braverman 1998, S.3). Die grundlegende Transformation menschlicher Arbeit und den damit verbundenen Formen „reeller Subsumtion“ leitet Braverman, Marx folgend, aus der fortschreitenden Kapitalakkumulation ab. Braverman postuliert anhand einer Analyse des Taylorismus die Kontrolle und Inwertsetzung von Arbeit als die zentrale Managementaufgabe, welches zu Gleich mit der Unterwerfung/Entfremdung durch ein fortschreitendes ‚deskilling‘ der Arbeitskraft einhergeht: “It thus becomes essential for the capitalist that control over the labor process pass from the hands of the worker into its own. This transition presents itself in history as the progressive alienation of the process of production from the worker; to the capitalist, it presents itself as the problem of management“ (Braverman 1998, S.40). Braverman unterscheidet hierbei zwischen dem ‘Wesen’ oder der zu Grunde liegenden Struktur des Produktionsprozesses (Logik der Kapitalakkumulation) und der historisch wandelbaren ‚Erscheinungen‘ der Kontrollformen. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff der Charaktermasken und der Klasse-an-sich reaktiviert, “as the shape given to the working population by the capital accumulation process“ (Braverman 1998, S.19). Thompson und McHugh (2009, S.367) fassen diese Perspektive auf Management und Organisation wie folgt zusammen: ”Control and cost reduction structure the division of labor, involving the design of work and the division of tasks and people to give the most effective control and profitability. This is sustained by hierarchical structures and the shaping of appropriate forms of science and technology“. An Braverman anschließende Analysen nehmen zahlreiche Ausdifferenzierungen im Hinblick auf die Kontrollrealität vor. In den Blick geraten u.a. unterschiedliche Managementstrategien (Friedman 1977), der historische Wandel von Kontroll- und Widerstandsformen (Edwards 1981) sowie schließlich die Untersuchung konsensgenerierender Mechanismen im Arbeitsprozess (Burawoy 1979, 1985).

An der Bravermanschen Aktualisierung von Marx sowie auch den hieran anknüpfenden weiteren Arbeiten wurde insbesondere aus poststrukturalistischer Perspektive Kritik geübt, welche sich in vier Punkten zusammenfassen lässt:

  • Determinismus: teleologisches Verständnis der kapitalistischen Entwicklung; direkte Beziehung zwischen Phasen des Kapitalismus und der Entwicklung des Arbeitsprozesses;
  • Objektivismus: Annahme objektiver Verhältnisse, Ausblendung der subjektiven Repräsentation und ideologischen Reproduktion dieser Verhältnisse;
  • Funktionalismus: Kontrolle der Arbeitnehmer ist funktional i.S. des Kapitalinteresses und notwendige Bedingung kapitalistischer Produktion;
  • Essentialismus: essentialistischer Arbeitsbegriff, orientiert am Ideal ganzheitlicher und komplexer Handwerksarbeit, vor deren Hintergrund der Taylorismus als Niedergang (Stichwort: Entfremdung) erscheint.

Zusammengefasst wurde dies im Vorwurf einer dualistischen Konstruktion von Organisation, ”that reduce the complexity of social life into a polarisation where the ‘free’, expressive and creative actions of voluntary subjects are seen to be struggling against, or determined by, the oppressive forces of objective structures and reality” (Knights 1990, 297).

Quellen

Braverman, Harry (1998): Labor and monopoly capital. The degradation of work in the twentieth century. 25. anniversary ed., New York, NY.

Burawoy, Michael (1979): Manufacturing Consent. Chicago und London.

Burawoy, Michael (1985): The Politics of Production. London und New York.

Edwards, Richard (1981): Herrschaft im modernen Produktionsprozeß, Frankfurt/Main und New York.

Friedman, Andrew (1977): Industry and Labour. London.

Knights, David (1990): Subjectivity, Power and the Labour Process, in: Knights, David/Willmott, Hugh (Hg.): Labour Process Theory, Houndsmills u.a., S. 297–335.

Weiterführende Literatur

Hartz, Ronald (2009): “Dieses Anderssein aufzuheben…”. Grundlagen einer dialektischen Theorie der modernen Arbeitsorganisation, Münster. à enthält ein Kapitel zur Arbeitsprozesstheorie

Jaros, Stephen J. (2000): Labor Process Theory, in: International Studies of Management & Organization, H. 4, Jg. 30, S. 25–39.

Neuberger, Oswald (1995): Mikropolitik, Stuttgart. à enthält ein Kapitel zur Arbeitsprozesstheorie

Nienhüser, Werner (2002): Politisierende Ansätze zur Analyse des Personalmanagements: Neomarxistische und foucaultianische Perspektiven. Arbeitspapier Universität Essen. [abrufbar unter: https://www.uni-due.de/apo/Download/EBPF1.pdf%5D

RSA animations, short films and event videos

The RSA Animates-series that is offered by the RSA (Royal Society for the encouragement of Arts, Manufactures and Commerce) provides animated speeches to share ‘world-changing ideas’ as they claim on their webpage. What they offer is freely accessible animated videos of speeches such as “Drive: The Surprising Truth of What Motivates us” by Dan Pink, “Re-Imagining Work” by Dave Coplin, or “Crisis of Capitalism” by David Harvey. The speeches constitute a great knowledge resource and the animations great teaching resources for the classroom. I use some of them in my classes and my students like the style of the animated videos but more importantly, they tell me that this sort of video is of great help to better understand the topics that we address in the lectures. In addition to the Animates-series, it is also worth having a look into the RSA Shorts (e.g. Kate Raworth on Growth), Event Videos (e.g. Frank Trentmann on Consumerism) and RSA Insights (e.g. Matthew Parsfield on the Value of Connected Communities).

Here is the link to their video-resources webpage: https://www.thersa.org/discover/videos/

“Critical pedagogy: schools must equip students to challenge the status quo” – And Universities should do this as well!

I found an inspiring text on the Guardian’s webpage: http://www.theguardian.com/teacher-network/teacher-blog/2014/feb/25/critical-pedagogy-schools-students-challenge.

Tait Coles, then being vice principal at Dixons City Academy in Bradford, explains the basic tenets of critical pedagogy and shows the advantages of this approach to what he refers to as the transmission model of knowledge. His statement resonates with the work of numerous thinkers in critical pedagogics, such as Paulo Freire, Henry Giroux, bell hooks, and Stanley Aronowitz, all of them discussing how we could educate students into citizens, who have the capacity to instigate social change.