Soziale Gerechtigkeit in Europa

Der aktuelle Social Justice Index der Bertelsmann Stiftung ist verfügbar. Auf der Hompage resümieren die Autoren:

„Drei Jahre nachdem die Wirtschafts- und Finanzkrise in Europa ihren Höhepunkt erreichte, haben wieder mehr Menschen Arbeit. Doch die Probleme bleiben groß: 4,6 Millionen Jugendliche sind arbeitslos, viele Europäer können trotz Vollzeitjob nicht von ihrer Arbeit leben und in einigen EU-Staaten sind Teile der Bevölkerung akut von Armut bedroht.”

Hier gibt es den vollständigen Bericht: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2016/november/aufschwung-an-europas-arbeitsmaerkten-kommt-nicht-bei-allen-menschen-an/

Lesenswert!

Macht und Veränderung

In seinem kürzlich veröffentlichten Blogeintrag äußert sich Jeffrey Pfeffer wieder einmal zu Machtfragen. Er nimmt eine recht skeptische Haltung gegenüber der in 2015 proklamierten „New Power”-Idee ein und argumentiert, dass hinter der Idee von Transparenz, Partizipation und Offenheit viel Rhetorik, dafür aber wenig Realität steckt. In seiner Analyse, die gut innerhalb kritisch orientierter Managementlehre eingesetzt werden kann, tangiert er sowohl die politische als auch die Unternehmenssphäre. Seine vielen Beispiele zeigen, dass „Old Power“ immer noch die Regel ist, und dass Veränderungen hin zu einer besseren Welt einen machtvollen Wandel bedürfen.

Hier geht es zu Jeffrey Pfeffers Blogeintrag: https://www.goodreads.com/author_blog_posts/9629516-in-2015-old-power-triumphed-over-new-power-again-and-again

Affen sind auch nur Menschen – sie wollen gleichen Lohn für gleiche Arbeit

Was geschieht, wenn man zwei Affen für dieselbe Aufgabe unterschiedlich entlohnt?

Was würde die Equity-Theorie (Adams, J. Stacy (1965): Inequity in social exchange. In: L. Berkowitz (Hg.): Advances in Experimental Social Psychology, Bd. 2. New York: Academic Press., S. 267–299) prognostizieren, wenn Menschen für dieselbe Leistung unterschiedlich entlohnt werden? Zunächst einmal würde ein Gefühl der Ungerechtigkeit entstehen, Unzufriedenheit und eine Verhaltenstendenz, diese Unzufriedenheit zu reduzieren. Adams diskutiert unterschiedliche Möglichkeiten, die Menschen ergreifen, um die Unzufriedenheit zu reduzieren, und auch, wovon es abhängt, auf welche Weise man dies tut. Die Forderung nach “gleichem Lohn für gleiche Arbeit” ist eine Reaktionsmöglichkeit. Andere Möglichkeiten bestehen etwa darin, dass wir uns einreden, dass die Ungerechtigkeit eigentlich keine sei. Menschen sind recht erfinderisch, sich Ungerechtigkeiten “wegzuerklären”. Etwa so: Vielleicht hat die Vergleichsperson doch mehr geleistet? Oder ich selbst “eigentlich” doch weniger geleistet?

Das schöne Video ist ein Ausschnitt aus einer sehr sehenswerten, längeren Präsentation von Frans de Waal. Es zeigt anschaulich, wie unsere “engsten Verwandten”  spontan auf Ungerechtigkeit reagieren – wie wir. Wir verstehen sofort, wie der Affe sich fühlt, wie er verfügen wir über die Fähigkeit zur Empathie. (Eine interessante Frage ist, ob Affen in der Lage sind, kognitive Manipulationen vorzunehmen, um sich Ungerechtigkeit wegzuerklären und sie besser zu ertragen. Ich vermute, dass Affen das wenigstens ansatzweise können.) Frans de Waal meint:

“Ich betrachte Menschen als Tiere. Sie mögen komplizierte Tiere sein, aber bei Veranlagungen, die wir mit vielen anderen Tieren teilen – Wettbewerbsstreben, Dominanz, Empathie, Altruismus, Territorialität -, ist schwer vorstellbar, dass sie nichts mit unserer Evolution zu tun haben sollen.” (Quelle: Frans de Waal in einem Interview; http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/verhaltensforscher-frans-de-waal-wir-sind-sehr-soziale-tiere-11107054.html)

(I found the link to the video in a post on Adbusters.org; thanks for that.) (Der obige Blog-Beitrag wurde auch auf dem Blog “Employmentrelations” gepostet.)