Filme über Commons / Gemeingüter

[Reblogged from ‘Kritische Organisationsforschung’]

Von Silke Helfrich und der Heinrich-Böll-Stiftung sind inzwischen zwei umfangreiche Bände zur Thematik der Commons / Gemeingüter erschienen. Beide Bände stehen unter einer Creative Commons Lizenz:

Helfrich, Silke; Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.) (2012): Commons. Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat. Bielefeld: transcript. http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-2835-7/commons)

Helfrich, Silke; Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.) (2015): Die Welt der Commons. Muster gemeinsamen Handelns. Bielefeld: transcript. http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3245-3/die-welt-der-commons

Im zweiten Band findet sich eine instruktive Aufzählung von Filmen über die Commons, welche auch in der Lehre eingesetzt werden können und die Frage nach alternativen Arbeits- und Organisationsformen am Beispiel der Commons konkretisieren helfen. Hier der entsprechende Auszug sowie Verlinkungen:

»Gemeingüter? Was ist das?«
Ein dreiminütiges Erklärstück, das 2010 im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung für eine internationale Commons-Konferenz in Berlin erstellt wurde und bisher auch in Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch zur Verfügung steht; gut einsetzbar für Einführungen ins Thema:

»This Land is Our Land. The Fight to Reclaim the Commons«
Der englischsprachige Dokumentarfilm, ebenfalls aus dem Jahr 2010, wurde von Jeremy Earp und Sut Jhally produziert. Das Skript stammt von David Bollier (Mitherausgeber dieses Bandes) und Jeremy Earp; Länge: 46 Minuten. Schwerpunkte sind die Einhegungsprozesse der letzten Jahrzehnte. Die Commons-Bewegung wird hier in den Kontext traditionellen Community-Engagements gestellt und zugleich als beginnende internationale Bewegung skizziert:

www.mediaed.org/cgibin/commerce.cgi?preadd=action&key=146

»Commons in Action«
Die Wissenschaftsvereinigung International Association for the Study of Commons
(IASC) produziert seit 2013 eine Serie von englischsprachigen Kurzfilmanimationen,
»Commons in Action«, unter dem Motto: »Commons sind heute Realität«. Hier zu sehen:

Sie führen kurz und knapp in einige zentrale Konzepte ein und stellen
internationale Projekte vor, meist Preisträger der IASC. Nützlich und gut drei
Minuten lang ist auch die Einführung in den Begriff:

»The Commons. Beyond the State, Capitalism and the Market«
Dieses 36-minütige, englischsprachige Video, in dem auch eine geistesgeschichtliche
Einordnung, beispielsweise über Eigentumskonzepte, vorgenommen wird, veröffentlichte das links-libertäre Anarchist Collective im Jahr 2013. Nicht nur zentrale Begriffe wie Einhegungen, Resilienz oder Fülle werden erläutert, sondern auch die Desig-Prinzipien für langlebige Commons-Institutionen von Elinor Ostrom et al. Hier zu sehen:

und hier nachzulesen:

https://theleftlibertarian.wordpress.com/2013/09/11/thecommons-beyond-the-state-capitalism-and-the-market/

»The Promise of the Commons«
»Das Versprechen der Commons« wurde im Jahr 2014 von John D. Liu sowie der indischen Nichtregierungsorganisation Foundation for Ecological Security (FES) produziert. Besondere Aufmerksamkeit kommt der Umweltsituation im globalen Süden zu. Auf Youtube finden sich verschiedene Ausschnitte aus diesem insgesamt 50-minütigen Beitrag in englischer Sprache:

»Better No More. Principles and Practices towards the next Economy«
Dieses 5-minütige Video in englischer Sprache ist eine Produktion von Kontent
Film, USA, sowie der Edge Funders Alliance, einem internationalen Zusammenschluss
kritischer Stiftungen und Geberorganisationen. Der Film entstand 2015
und konzentriert sich auf vier Aspekte der Commons: Natur entkommerzialisieren,
Arbeit neu denken, Wissen befreien, Wohlstand demokratisieren.

www.kontentfilms.com/work/genres/shorts/better-not-more

»The Commons«
Fünf Jahre hat der Filmemacher Kevin Hansen an diesem Dokumentarfilm gearbeitet.
Entstanden ist ein Film über Gemeinschaften aus aller Welt, die nach alten Commons-Prinzipien wirtschaften. 49 Gemeinschaften in Nord- und Südamerika, Asien und Europa wurden interviewt. Sie erklären, wie sie Commons über Jahrhunderte lebendig halten. »Commons«, so Hansen, »sind ein alt-neuer Open-Source-Code rund ums Teilen von Ressourcen«. Die Website zum Film:
http://commonsfilm.com/

Arbeitsprozesstheorie / Labour Process Theory

Harry Braverman gehört sicher zu den Autoren, welche die kritische Forschung aber auch die Lehre zur Organisation des Arbeitsprozesses in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung entscheidend beeinflusst haben. Innerhalb der BWL-Lehre lassen sich Bravermans Erkenntnisse auf vielfältige Weise nutzen, um z.B. die Rolle des Managements, den Charakter von Arbeit sowie manageriale Kontrolle und den Widerstand der Arbeiter zu adressieren. Lehrende können herbei natürlich die Studierenden Bravermans Buch “Labor and Monopoly Capital” (1974) lesen lassen oder es zusammen mit den Studierenden im Kurs lesen. Jedoch existiert auch eine recht gute Zusammenfassung des Buches, welche auf Youtube verfügbar ist. In zwei Videos (zusammen etwa 20 Minuten) werden nicht nur Bravermans Ideen referiert, sondern es werden auch Bezüge zu Marx’ Kapitalismuskritik oder Taylors Ansatz des Scientific Management hergestellt.

https://www.youtube.com/watch?v=MI9RJE-Nf2U Teil 1

https://www.youtube.com/watch?v=gUZMJOli09w Teil 2

 

Zum Hintergrund der Videos – die Arbeitsprozesstheorie

Ronald Hartz

Ausgangspunkt der sogenannten Arbeitsprozesstheorie (Labor Process Theory, machmal auch Labor Process Debate) ist die 1974 erschienene Monographie „Labor and Monopoly Capital“ von Harry Braverman und der damit verbundene Versuch einer Revitalisierung und Modifizierung Marxscher Überlegungen für eine Analyse von Arbeits- und Produktionsverhältnissen im 20.Jhd. Braverman interessierte sich für die Dynamik kapitalistischer Produktionsverhältnisse, “underlying the incessant transformation of work in the modern era“ (Braverman 1998, S.3). Die grundlegende Transformation menschlicher Arbeit und den damit verbundenen Formen „reeller Subsumtion“ leitet Braverman, Marx folgend, aus der fortschreitenden Kapitalakkumulation ab. Braverman postuliert anhand einer Analyse des Taylorismus die Kontrolle und Inwertsetzung von Arbeit als die zentrale Managementaufgabe, welches zu Gleich mit der Unterwerfung/Entfremdung durch ein fortschreitendes ‚deskilling‘ der Arbeitskraft einhergeht: “It thus becomes essential for the capitalist that control over the labor process pass from the hands of the worker into its own. This transition presents itself in history as the progressive alienation of the process of production from the worker; to the capitalist, it presents itself as the problem of management“ (Braverman 1998, S.40). Braverman unterscheidet hierbei zwischen dem ‘Wesen’ oder der zu Grunde liegenden Struktur des Produktionsprozesses (Logik der Kapitalakkumulation) und der historisch wandelbaren ‚Erscheinungen‘ der Kontrollformen. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff der Charaktermasken und der Klasse-an-sich reaktiviert, “as the shape given to the working population by the capital accumulation process“ (Braverman 1998, S.19). Thompson und McHugh (2009, S.367) fassen diese Perspektive auf Management und Organisation wie folgt zusammen: ”Control and cost reduction structure the division of labor, involving the design of work and the division of tasks and people to give the most effective control and profitability. This is sustained by hierarchical structures and the shaping of appropriate forms of science and technology“. An Braverman anschließende Analysen nehmen zahlreiche Ausdifferenzierungen im Hinblick auf die Kontrollrealität vor. In den Blick geraten u.a. unterschiedliche Managementstrategien (Friedman 1977), der historische Wandel von Kontroll- und Widerstandsformen (Edwards 1981) sowie schließlich die Untersuchung konsensgenerierender Mechanismen im Arbeitsprozess (Burawoy 1979, 1985).

An der Bravermanschen Aktualisierung von Marx sowie auch den hieran anknüpfenden weiteren Arbeiten wurde insbesondere aus poststrukturalistischer Perspektive Kritik geübt, welche sich in vier Punkten zusammenfassen lässt:

  • Determinismus: teleologisches Verständnis der kapitalistischen Entwicklung; direkte Beziehung zwischen Phasen des Kapitalismus und der Entwicklung des Arbeitsprozesses;
  • Objektivismus: Annahme objektiver Verhältnisse, Ausblendung der subjektiven Repräsentation und ideologischen Reproduktion dieser Verhältnisse;
  • Funktionalismus: Kontrolle der Arbeitnehmer ist funktional i.S. des Kapitalinteresses und notwendige Bedingung kapitalistischer Produktion;
  • Essentialismus: essentialistischer Arbeitsbegriff, orientiert am Ideal ganzheitlicher und komplexer Handwerksarbeit, vor deren Hintergrund der Taylorismus als Niedergang (Stichwort: Entfremdung) erscheint.

Zusammengefasst wurde dies im Vorwurf einer dualistischen Konstruktion von Organisation, ”that reduce the complexity of social life into a polarisation where the ‘free’, expressive and creative actions of voluntary subjects are seen to be struggling against, or determined by, the oppressive forces of objective structures and reality” (Knights 1990, 297).

Quellen

Braverman, Harry (1998): Labor and monopoly capital. The degradation of work in the twentieth century. 25. anniversary ed., New York, NY.

Burawoy, Michael (1979): Manufacturing Consent. Chicago und London.

Burawoy, Michael (1985): The Politics of Production. London und New York.

Edwards, Richard (1981): Herrschaft im modernen Produktionsprozeß, Frankfurt/Main und New York.

Friedman, Andrew (1977): Industry and Labour. London.

Knights, David (1990): Subjectivity, Power and the Labour Process, in: Knights, David/Willmott, Hugh (Hg.): Labour Process Theory, Houndsmills u.a., S. 297–335.

Weiterführende Literatur

Hartz, Ronald (2009): “Dieses Anderssein aufzuheben…”. Grundlagen einer dialektischen Theorie der modernen Arbeitsorganisation, Münster. à enthält ein Kapitel zur Arbeitsprozesstheorie

Jaros, Stephen J. (2000): Labor Process Theory, in: International Studies of Management & Organization, H. 4, Jg. 30, S. 25–39.

Neuberger, Oswald (1995): Mikropolitik, Stuttgart. à enthält ein Kapitel zur Arbeitsprozesstheorie

Nienhüser, Werner (2002): Politisierende Ansätze zur Analyse des Personalmanagements: Neomarxistische und foucaultianische Perspektiven. Arbeitspapier Universität Essen. [abrufbar unter: https://www.uni-due.de/apo/Download/EBPF1.pdf%5D

Film Festival “Corporate Bodies” in Den Haag, 11-13th February

Showing films during class makes organizational life more tangible. Films give us catchy images, situations and dialogues to illustrate organizational theory and management and open up space for critical discussion. Furthermore, films can also be analyzed as cultural artifacts that tell us about current societal understandings of organizations. This makes them a valuable resource for teaching that moves beyond cognitive learning. Good films make us feel something about the characters we watch. We suffer with them, we laugh with or about them, we are disgusted by them and so forth. In an educational context, this capacity of films can enable an affective and emotional learning and thus create a more holistic learning experience.

Some fresh inspiration for using films in teaching can be found here: The film festival “Corporate Bodies: Where Film Meets Organization”, taking place on 11-13th February in Den Haag, aims to shed new light on the relation between organization and film. It offers not only an extensive film programme, but also various interesting speakers.

Work and its different realities

A key challenge in teaching about work and organization is to heighten the awareness for different worlds of work and life realities.

In their project “Labour in a Single Shot” Harun Farocki and Antje Ehmann assembled a wide array of short videos on different work practices across the globe. The one to two minutes sequences portray different types of work – paid and unpaid work, knowledge and physical work, prestigious and pecarious work – in different cultural contexts.

Being taken in a single shot, they enable the viewer to observe, contrast, compare, and reflect on different work practices. “Labour in a Single Shot” thus offers a rich source for bringing the diversity in work to the classroom.

The videos can be found here: Labour in a Single Shot

 

Textbooks for Critical Management and Organisation Teaching

In the following a small collection of textbooks. As they are all written in English language, I decided to provide an English summary as well:

Fiona Wilson (2013) Organizational Behaviour and Work: A Critical Introduction [Paperback], Oxford University Press (fourth edition)

This book is fairly easy to read and to comprehend. Fiona Wilson did a great job raising numerous aspects beyond the traditional Organisational Behaviour knowledge, such as the view from above (i.e. what managers actually do), the view from below (i.e. the meaning of work) in addition to the chapter on the rationality of management. The books pays particular attention to aspects around gender, age, race and ethnicity, all of them being neglected in more traditional management textbooks

David Knights & Hugh Willmott (2012) Introducing Organizational Behaviour and Management [Paperback], 2nd edition, Cengage Learning

A very comprehensive book that is particularly useful in case you have loads of time in your course. Different authors wrote the chapters. Some of the chapters may be difficult to understand.

Martin J. Corbett (1994) Critical Cases in Organisational Behaviour. Macmillan (reprinted 2003)

Some may argue that this is rather outdated stuff. No, it isn’t! The topics addressed in the cases are still up-to-date and I mean there must be reason why Macmillan decided for a reprint in 2003.

Suzette Dyer, Maria Humphries, Dale Fitzgibbons & Fiona Hurd (2014) Understanding Management Critically. A Student Text, Sage

The authors address topics such as organisational structures, work, politics and power, gender, race and leadership. In chapter 2 the authors provide an overview of influential thinkers and the critical discourse. Although, some may argue that this is done in a somewhat superficial way, I believe this chapter has the potential to introduce the students to the variety of thoughts present in critical management and organisation studies.